Nein, aber auch früher gab es neben den eintägigen Großveranstaltungen in den von Ihnen genannten Zahlendimensionen, auch kleinere, exklusivere mehrtägige Seminare.
Dennoch sind meine Seminare keine Kleinstgruppen-Seminare (mit Ausnahme des Rhetorikseminars: da hier jeder Teilnehmer in drei Tagen mindestens fünf Rederunden praktisch vorführt, ist die Teilnahme auf 15 Teilnehmer begrenzt), da es für viele Seminarteilnehmer sinnvoller ist, wenn sie nicht unbedingt während des Seminars unter ständiger Beobachtung und ständigem Mitmachzwang stehen.
Die heutigen Seminargruppen haben eine ideale Größe, um noch individuell mit jedem, der es möchte, arbeiten zu können. Andererseits hat jeder Seminarteilnehmer auch die Möglichkeit „unentdeckt“ in der Seminargruppe zu bleiben. Auch hat jeder Teilnehmer noch die Möglichkeit, mich in allen Pausen, auch vor und nach dem Seminar, einmal persönlich zu sprechen und sich eine Frage von mir beantworten zu lassen.
6. Warum gibt es in Ihren Seminaren Metaphern, wie z. B. Feuerlauf, barfuss über Scherben laufen, etc.?
Nun, ich halte diese Metaphern für eine tolle Möglichkeit, den Seminarteilnehmern zu verdeutlichen, dass es Grenzen in unserem Leben gibt, die wir durch den eigenen Glauben, die richtige Einstellung, aber auch mit der richtigen Technik und dem „Know How“ verschieben können.
Noch heute teilen mir frühere Seminarteilnehmer begeistert mit, wie der Feuerlauf ein positives, einschneidendes Erlebnis für sie war. Wann immer sie heute vor einer Herausforderung stehen, etwas „Unmögliches“ möglich zu machen, erinnern sie ich gerne an „ihren“ Feuerlauf und kommen dann ins Handeln. Sie wandeln ihre Angst in Mut.
7. In manchen TV-Berichten wird der Eindruck erweckt, Ihre Seminarteilnehmer tanzen auf den Stühlen und Tischen. Ist das wirklich so der Fall in Ihren Seminaren?
Wie die Presse so ist… Plakativ, und gerade die visuellen Journalisten (TV) nutzen gerne solche Bilder.
In Wirklichkeit ist es so, dass alle Seminarteilnehmer zusammen ca. einmal pro Stunde aufstehen und drei bis vier Minuten, mit der Unterstützung flotter Musik, ein paar Bewegungsübungen machen, die teilweise aus der Kinesiologie und auch der kinesischen Gesundheitslehre stammen. Sinn ist ganz einfach der, wieder fit zu werden, sich zu lockern, den Kreislauf in Schwung zu bringen – und, ja, auch ein wenig Spaß zu haben…! Doch es ist schon merkwürdig, dass Spaß innerhalb eines Seminars in Deutschland anscheinend nicht sein darf, denn lernen ist ja eine todernste Angelegenheit…
Diese kurzen Bewegungspausen nennen wir „Energy-Breaks“, und nach dem zweiten oder dritten Mal fordern die Teilnehmer mich sogar vehement dazu auf, wieder einmal eine solche Pause einzulegen, denn schon nach kürzester Zeit macht das anfangs Ungewohnte sogar plötzlich Spaß, und jeder spürt, wie er anschließend wieder 45 Minuten hellwach und konzentriert ist
8. Vor einigen Jahren gerieten Sie geschäftlich und auch persönlich in eine große Lebenskrise. Was war da eigentlich passiert?
Nun, mit meinem Weiterbildungsunternehmen der „Inline AG“, wollte ich im Jahr 2000 an die Börse, genauer gesagt, an den damals noch existierenden „Neuen Markt“. Von Anlegern und Risikokapitalgebern erhielt ich insgesamt ca. 20 Millionen DM, mit deren Hilfe ich zum einen drei Firmen übernahm und zum zweiten das Geschäftsmodell kräftig ausbaute. Innerhalb von nur eineinhalb Jahren wuchs das Unternehmen so von zehn Mitarbeitern auf ca. 140 heran, mit mehreren Niederlassungen in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Im Mai 2000 wurde das Unternehmen von einigen der größten Banken Deutschlands, ja der Welt, (JP Morgan, West LB, Landesbank Baden-Würtemberg etc.) auf ca. 550 Millionen DM bewertet. Doch dann gab es einen Börsencrash, und die Kurse brachen weltweit ein. Aufgrund dessen musste unser für April 2001 geplanter Börsengang zunächst verschoben, später komplett eingestellt werden. Die fest eingeplanten 50 bis 100 Millionen DM blieben daraufhin aus, und das Unternehmen geriet in die Krise.
9. Und dann kam es noch knüppeldicker?
Richtig! Zunächst einmal mussten wir schließlich für die Inline AG Insolvenz anmelden. Da ich bei einigen Anlegern für mehrere Millionen privat in der Haftung stand, wurde mir bewusst, dass ich vermutlich auch privat in Kürze Insolvenz anmelden müsste. Daraufhin beging ich dann in meiner absoluten Panik den größten Fehler meines Lebens: Ich wusste, dass mir auch meine komplette private Altersvorsorge genommen werden würde, und deshalb verschwieg ich ca. 300.000 € an privaten Mitteln, die ich für die Altersvorsorge zurückgelegt hatte. Als es dann eine Untersuchung gab, wurden diese Vorgänge gefunden und ich hatte die Konsequenzen zu tragen.
10. Teile der Presse erweckten damals in ihren Berichten schon den Eindruck, Sie hätten auch Anlegergelder veruntreut, bzw. bei der Inline als Vorstandsvorsitzender nicht korrekt gehandelt. War an diesen Vorwürfen irgendetwas dran?
Eindeutig: Nein!!! Die damalige Untersuchung ergab, dass die Inline AG weder insolvent war, noch dass dort inkorrekte Handlungen durchgeführt wurden, geschweige denn, dass mit den Anlegergeldern irgendetwas nicht stimmte. Alle Anlegergelder wurden ordnungsgemäß investiert. Aber ich habe andere Fehler gemacht, wie z. B. in Verbindung mit meiner Altersvorsorge und auch einer versuchten Steuerhinterziehung in Höhe von 20.000 €. Diese Fehler habe ich später bitterlich bereut und hart dafür gebüßt.
11. Sie wurden am 31. Oktober 2002 dann schließlich sogar inhaftiert. Wie war diese Zeit damals für Sie, wie erging es Ihnen?
Ich hatte das Gefühl mit Tempo 300 ohne Sicherheitsgurt gegen eine Betonmauer zu fahren. Die ersten Wochen waren unglaublich hart und schmerzhaft. Plötzlich befand ich mich in einer ca. 9 qm großen Zelle, ein Bett, ein Tischchen, ein Stuhl, ein Regal, ein Waschbecken, ein Klo, ein Schrank, zwei Näpfe, eine Tasse, ein Teekännchen, Besteck – fertig. Wochenlang kein Fernseher, keine Zeitung, kein Einkauf, nichts. Täglich nur 1 Std. Hofgang, ansonsten fast 23 Std. tägliches Alleinsein auf 9 qm mit nichts, als sich selbst. Dazu ein Umfeld, das großteils aus Drogenabhängigen, Räubern, Sexualstraftätern bis hin zum Totschläger und Mörder bestand. Außerdem grauenhaftes Essen und ein Umfeld, in dem ich keineswegs einen Promibonus, sondern eher einen Promimalus hatte. Und bei einem Teil der Mitgefangenen galt dann plötzlich nicht mehr die Stärke des Denkens oder der Sprache, sondern wieder das archaische Faustrecht. Ich bin heute aber sehr stolz darauf, auch diese unglaublichen Zu- und Umstände nicht nur überstanden, sondern gemeistert zu haben und es zeigt mir, dass wir viel mehr Kraft in uns besitzen, als wir oft selber glauben können.
12. Wie überstanden Sie diese Krise, wie motivierten Sie sich selbst in dieser Situation?
Zunächst war ich wie gelähmt, lebte die ersten Wochen wie in Trance, ja, war auch sehr verzweifelt und badete in Selbstmitleid. Doch dann erwachte tief in mir mein unerschütterlicher Optimismus, breitete sich meine innere Kraft immer stärker aus. Und ich wendete natürlich auch die Methoden an, die mich so erfolgreich gemacht und so vielen tausend Menschen geholfen hatten. Ich setzte mir übrigens schon am zweiten Tag Ziele, die u. a. darin bestanden, dass ich mir schwor, egal, wann ich wieder herauskommen sollte, körperlich topfit zu sein. Und so nutzte ich z. B. den Hofgang, um zu joggen. Auf Steinwegen, 80 m immer im Kreis herum, den 40 Mithäftlingen im Zickzack ausweichend, im Winter bei Minus 20 Grad ohne Mütze und Handschuhe (verboten…), im Sommer bei 40 Grad Plus in der Gluthitze des Hofes ohne Sonnenbrille und Sonnenschutz (verboten…). Dazu absolvierte ich fast täglich ein einstündiges Fitnessprogramm auf 1 x 3 m in meiner Zelle, das ich selber erstellte, mit Hilfe eines Stuhles, später, als ich dann etwas einkaufen durfte, einem Kasten Mineralwasser. Und ich schrieb mir positive Suggestionen an den Spiegel meiner Zelle, vor allem sagte ich mir immer und immer wieder: „Ich schaffe es, ich schaffe es!“
Und dann las ich aus der Bücherei die Autobiographie von Nelson Mandela, in der er beschreibt, wie er 27 Jahre in Haft war – da sagte ich mir, wenn dieser Mensch es so lange unter noch viel schlimmeren Bedingungen schaffte, dann schaffe ich es erst recht.“
13. Wie erging es Ihrer Familie, Ihrer Frau und Ihren Kindern?
Ich erfuhr durch diese Krise das Schönste, was ein Mensch erleben kann(darum war sie letztlich auch so wertvoll für mich!!!):
L I E B E!
Niemals zuvor durfte ich so viel Liebe erfahren, wie in dieser schwierigen Zeit. Meine Frau hat so ein fantastisches Kämpferherz, so viel Kraft und Liebe in sich, dass Sie mir half, diese Krise zu überstehen. Auch unsere Freunde, die wir zu diesem Zeitpunkt noch hatten, hielten loyal und eisern zu uns, unterstützten mich und vor allem meine Familie, wo sie nur konnten. Und mir und meiner Frau wurden tausende von Briefen , e-mails und Faxe von meinen Kunden zugeschickt, in denen Sie mir mitteilten, was sie mir zu verdanken hatten, in denen sie mir Mut machten, durchzuhalten und wieder auf die Bühne zurückzukehren. Ich durfte also ein wertvolles Geschenk in meiner größten Krise empfangen, und deshalb bin ich, auch wenn es sich merkwürdig anhören muss, sogar dankbar, dass es passierte, ich hätte sonst vielleicht nie diese Liebe erfahren.
14. Herr Höller, wie starteten Sie dann wieder Ihr Comeback?
Bis zum 28. April 2004 war die Situation so, dass meine phantastische Frau es während meiner Abwesenheit schaffte, ihr Unternehmen so erfolgreich zu führen, dass sie, auch mit der Hilfe guter Freunde, die schwere Zeit überleben konnte. Doch Status quo war folgender:
Wir hatten 10 Jahre alte Büromöbel für 250 € im Keller unseres Hauses stehen, die 5 Jahre alten Computer kosteten 350 € im EDV-Secondhand-Shop, wir hatten kein Geld für einen Kopierer (in den ersten 9 Monaten fuhren wir jeden Tag 14 Kilometer, um die anfallenden Kopien in einem Kopiershop durchführen zu lassen…), kein Geld für Werbung, Prospekte, Visitenkarten, ja, nicht einmal für Briefpapier.
Wir hatten jedoch drei Dinge, die uns niemand nehmen konnte:
1. Unseren Glauben, dass wir es wieder schaffen!
2. Unser Wissen und unsere Weisheit, wie man wieder aufsteht, wie man
Erfolg produziert!
3. Die Bereitschaft, buchstäblich „Dreck zu fressen“, also bedingungslosen
Fleiß und Einsatz zu bringen!
Und mit diesen drei Eigenschaften haben wir es dann tatsächlich wieder geschafft.
15. Wie reagieren denn heute Ihre Kunden auf Ihre Lebenskrise?
Nun, viele unserer heutigen Kunden wären – laut ihrer eigenen Aussage – nicht Kunde, hätten niemals ein Seminar bei mir besucht, wenn nicht meine Lebenskrise passiert wäre. Erst dadurch, dass ich nicht aufgab, wieder aufstand, und meine Frau aus dem Nichts heraus die Firma Life Learning aufbaute, zeigt ja, wie gut die von mir vermittelten „universellen Gesetze des Lebens“ funktionieren, wenn man sie kennt – und anwendet (ich hatte ja auch in meiner Lebenskrise gegen das eine oder andere Lebensgesetz verstoßen…).
16. Herr Höller, zum Abschluss möchten wir Sie noch fragen: Welche Ziele, Visionen und Träume besitzen Sie noch?
Ich bleibe bei dem, was ich schon vor meiner Krise als Traum hatte: Ich möchte gerne:
Eine eigene Fernsehsendung leiten,
in der es um positive und aufbauende Inhalte geht.